Ein Haus aus Holz und Lehm, aus Luft und Licht

Ecolut-Forum in Engelskirchen




Text: Petra Lasar
Fotos: Innenansichten: M.Höhn, Hoffmeister Leuchten GmbH, Aussenaufnahme: Holzabsatzfond


Alte Baustoffe für neue Architektur

Mitten auf der Wiese in Engelskirchen entstand in nur vierzehnmonatiger Bauzeit ein Gebäudekomplex, in dem traditionelle Baustoffe zeitgemäß interpretiert sind. Außen im Stil einer schlichten, klar strukturierten Hofan­lage, innen in der Anmutung eines puristischen Ortes der Kontem­plation, erbauten die Düsseldorfer Architekten Stefan Mekus und Bernhard Bramlage ein ökologisches Vorzeigestück, das seine Holz- und Lehmbauweise selbstbewußt ins rechte Licht setzt.

Ecolut-Forum

Oberhalb von Schloß Ehreshoven in Engelskirchen erhebt sich das Haupthaus mit seinem Nebengebäude zweigeschossig auf einem reizvollen Hanggrundstück. Mit einem traditionellen Spitzdach, einer weißen Putzfassade im Erdgeschoss und einer zurück­haltend hellgrauen Holzverschalung im Obergeschoß fügt sich das Ecolut-Center wie selbstverständlich in die Landschaft, die von sattem Grün und üppigen Wäldern, von sanften Hügeln und Tälern geprägt ist. Die zum Süden weisende bodentiefe Verglasung des Obergeschosses und die klar gesetzte, rhythmische Gliederung der ebenerdigen unteren Fensteröffnungen lassen schon ahnen, dass es sich hier um eine neue Interpre­tation traditioneller Bauweise handelt.

Dennoch ist die Überraschung groß, wenn sich dem Besucher der Innenraum des Ecolut-Center lichtdurchflutet und luftig in purer Moderne öffnet. In klarer Geome­trie verbinden sich bei einer Raumhöhe von 3,35 Meter warme erdige Farben mit strahlendem Weiß, mit kühlem Grau, mit Eiche und mit Glas. Sofort fällt der Blick auf eine Stampflehmwand, die sich, in Materialiltät und Farbe fein strukturiert, als Monolith vor dem Treppenabgang behauptet. Sie ist das Herz des Ecolut-Center, das Beispiel par excellence für die zeit­ge­nössische Gestaltungskraft des Baustoffs Lehm, der langsam, aber stetig eine Renais­sance erfährt.


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Viele Jahre lang war Gebäuden aus Lehm, einem der ältesten Baustoffe der Welt, in Industrienationen der Armutsstempel aufgedrückt worden. Schließlich war es kostenloses und somit vermeintlich wertloses Baumaterial, dessen sich jedermann frei bedienen konnte. Nicht von ungefähr lebt heute noch ein Drittel der Weltbevöl­kerung in Lehm­bauten. Und das nicht in den reicheren Ländern dieser Welt. Folglich eignete sich Lehm nicht als Ausdruck von Wohlstand, als Medium für das tief verankerte menschliche Bedürnis die Zugehörigkeit zu den besseren Rängen in der menschlichen Gesellschaft zu manifestieren. Obwohl es andererseits auch zahlreiche bis heute erhaltene historische Zeugnisse repräsentativer Lehmbauten, ja ganze aus Lehm erbaute Städte als Spiegel hochentwickelter Kulturen gibt, und dieser Werkstoff in Japan höchstes Ansehen für die Lösung ästhetischer und klima­tischer Ansprüche erfährt, mußte er „modernen", industriell erzeugten Baustoffen weichen.


Die Stampflehmwand - seit 12.000 Jahren bewährt

Doch inzwischen entdecken Architekten wie Stefan Mekus und Bernhard Bramlage und Bauherren wie Jörg Deselaers die Vorzüge von Lehm quasi neu, und interpre­tieren das Material fern aller Nostalgie in zeitgemäßer Gestaltung. Was könnte diesen Ansatz eindrucksvoller darstellen als die monolithische Stampflehmwand im Ecolut-Center, die sich der ältesten, nämlich seit 12.000 Jahren bewährten Verar­bei­tung von Lehm als Baustoff verschreibt? Und um gerade diese Darstellung geht es zu einem guten Teil im „Lehmhaus" in Engelskirchen, zu dessen Funktionen die Information über die nachhalti­gen Baumaterialien Holz und Lehm für Fachpublikum und private Bauherren gehören.

Im Ecolut-Center hat die Stampflehmwand, die sich vom Erdgeschoss bis ins Dachge­schoss erhebt, keine konstruktive, sondern - neben ihrem ästhetischen Anspruch - eine rein bauphysiologische Funktion. Der feinkrümelige, erdfeucht aufbereitete Stampflehm erreicht nach Verdichtung und Austrocknung Rohdichten zwischen 1700 und 2200 kg/m3 und ist damit der schwerste der Lehmbaustoffe. Mit einer solchen Masse stellt die hier 80 cm starke Stampflehmwand einen aus­gezeichneten Wärmespeicher dar, der den ressour­­censparenden Energieversor­gungs­ansatz des Gebäudes unterstützt.


Das Licht umschmeichelt die warmen Erdtöne

Auf beiden Etagen bietet das Ecolut-Center auf insgesamt 400 Quadratmetern je einen Konferenzraum sowie zwei Veranstaltungssäle, die für Seminare, Work­shops und Feier­lichkeiten angemietet werden können. Im separat begehbaren Dachgeschoss wurden Büroräume eingerichtet, die von verschiedenen Unterneh­men genutzt werden. Die erdenen Farben der Lehmputze an Wänden und Decken wirken warm und einladend und harmonieren mit dem Dielenbodenbelag, den Türen und Fensterrahmen aus Eiche, deren Grundmaterial ebenso aus dem benachbarten Forstwirtschafts­betrieb stammt wie sämtliche anderen hier ver­wendeten Bauhöl­zer. Die bodentiefen Fenster­öffnungen, die ausgiebige Blicke in die bezaubernde Landschaft erlauben, lassen in den Innenraum viel Tageslicht, das die warmen Erdtöne umschmeichelt.

Dieser wohlige Effekt sollte bei Einsatz von Kunstlicht erhalten bleiben; bei gleich­zeitiger Gewährleistung ausreichender Beleuchtungsstärken zum Tagen und Konferieren. Für die künstliche Beleuchtung war insgesamt ein Konzept gefragt, das sich unaufdringlich in die buch­stäbl­ich natürliche Umgebung fügt und dem Ecolut-Gebot der Wirtschaftlichkeit Rechnung trägt. Geplant wurde das Licht von Die Lichtberater - Jüngermann & Partner aus Bad Nauheim.

Technisches Licht integriert sich in das puristische Gesamtbild

Bauherr und Architekten entschieden sich für das Downlight DL 250 von Hoffmeister, einen dezenten Hochglanzreflektor mit integriertem EVG, der in der „Insider" Version ohne sichtbaren Abschlussring in die Decke montiert wird. Mit dem leichten Herausragen der Reflektorkanten setzen die Leuchten in ihrer Materialität Akzente zu den lehmver­putzten Decken und integrieren sich in das puristische Gesamtbild. Mit ihrer scheinbaren Schwere­losigkeit, die aus der eleganten Schattenfuge resultiert, bilden die Downlights einen gestalterischen Kontrast zu den erdverbundenen Materialien.


Die von Hoffmeister für diese Leuchten entwickelte Lichttechnik überzeugt mit einem außerordentlich hohen Betriebswirkungsgrad von bis zu 73 Prozent. Mit ihrer daraus resultierenden überdurchschnittlichen Energieeffizienz kann die Leuchte bei gleichem Ergebnis in geringerer Stückzahl und somit bei weniger Energiebedarf als konventionelle Downlights eingesetzt werden. Als vorteilhaft erweist sich letztlich auch die gute Blendungs­begrenzung sowie die Dimmbarkeit, mit der sich die Downlights flexibel auf unterschiedliche Anforderungen an die Lichtstärke einstellen lassen.

Im Ecolut-Center in Engelskirchen ist eine Mischung aus Tradition und Moderne gelun­gen, die Holz und Lehm in Verbindung mit Luft, Licht und Sicht als zeitge­mäße Baustoffe herausstellt und den Beweis antritt, dass nachhaltiges Bauen auch die ästhetischen Anforderungen heutiger Baukultur vollends erfüllen kann.


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